Der neue BSI C5:2026 verändert die Anforderungen an Cloud- und SaaS-Anbieter spürbar. Für Unternehmen, die bereits ein C5-Testat haben oder erstmals eine Prüfung vorbereiten, stellt sich jetzt die zentrale Frage: Was bedeutet der neue Kriterienkatalog für das nächste Testat?
Der C5-Katalog des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik ist seit Jahren ein wichtiger Maßstab für die Sicherheit und Transparenz von Cloud-Diensten. Mit C5:2026 wurde der Kriterienkatalog inhaltlich und strukturell überarbeitet; laut BSI orientiert sich die neue Version unter anderem stärker an europäischen Entwicklungen wie dem EUCS und berücksichtigt aktuelle Anforderungen an Cloud-Sicherheit.
Warum C5:2026 jetzt relevant ist
Für viele Cloud- und SaaS-Anbieter ist ein C5-Testat längst nicht mehr nur ein freiwilliger Vertrauensnachweis. Kunden, regulierte Branchen, öffentliche Auftraggeber und Geschäftspartner fragen zunehmend konkrete Nachweise zur Informationssicherheit, Transparenz und Kontrollumgebung an.
Mit C5:2026 steigt der Anspruch an diese Nachweise. Der neue Katalog ist umfangreicher als die Vorgängerversion: KPMG verweist beispielsweise auf 168 Kriterien im C5:2026 gegenüber 121 Kriterien in der Vorgängerversion. Besonders betroffen sind unter anderem Prozessdokumentation, Lieferketten, Remote Work, Key Management, Patch Management, Container Management und Confidential Computing.
Für Anbieter bedeutet das: Das nächste C5-Testat sollte nicht erst kurz vor dem Prüfungszeitraum vorbereitet werden.
Zertifizierung, Testat oder Prüfbericht?
Im Markt wird häufig von einer BSI C5 Zertifizierung gesprochen. Das ist als Suchbegriff verständlich, fachlich aber nicht ganz präzise.
Im C5-Kontext geht es in der Regel um eine unabhängige Prüfung durch Wirtschaftsprüfer mit einem entsprechenden Prüfbericht bzw. Testat. Deshalb verwenden wir im weiteren Artikel bewusst die Begriffe:
- C5-Testat
- C5-Attestierung
- Prüfbericht
- Typ-1- oder Typ-2-Bericht
Diese sprachliche Genauigkeit ist nicht nur Formalität. Sie zeigt auch, dass es nicht um ein einfaches Siegel geht, sondern um eine prüfungsnahe Beurteilung von Kontrollen, Prozessen und Nachweisen.
Typ 1 und Typ 2: Was ist der Unterschied?
Bei einer C5-Prüfung wird grundsätzlich zwischen Typ 1 und Typ 2 unterschieden.
Typ 1: Aufbau und Angemessenheit zu einem Stichtag
Ein Typ-1-Bericht beurteilt, ob die beschriebenen Kontrollen zu einem bestimmten Zeitpunkt angemessen ausgestaltet sind. Er beantwortet im Kern die Frage:
Sind die richtigen Kontrollen grundsätzlich vorhanden und geeignet?
Typ 1 ist besonders relevant für Anbieter, die erstmals in eine C5-Prüfung gehen oder einen neuen Cloud-Dienst prüfbar aufstellen möchten.
Typ 2: Wirksamkeit über einen Zeitraum
Ein Typ-2-Bericht geht weiter. Er beurteilt nicht nur, ob Kontrollen angemessen ausgestaltet sind, sondern auch, ob sie über einen definierten Zeitraum wirksam betrieben wurden. Er beantwortet die Frage:
Haben die Kontrollen im Prüfungszeitraum tatsächlich funktioniert?
Für bestehende C5-Testate und Folgetestate ist Typ 2 regelmäßig besonders relevant, weil Kunden und Geschäftspartner nicht nur ein Kontrollkonzept sehen möchten, sondern den Nachweis eines funktionierenden Kontrollbetriebs. Das BSI beschreibt in seinen FAQ den Unterschied zwischen Typ 1 und Typ 2 ebenfalls entlang von Design bzw. Wirksamkeit der internen Maßnahmen.
Was Cloud- und SaaS-Anbieter jetzt konkret tun sollten
Aus unserer Sicht ist jetzt kein Aktionismus erforderlich. Aber ein strukturierter Einstieg ist sinnvoll.
1. C5:2026-Readiness prüfen
Im ersten Schritt sollte geprüft werden, wie weit bestehende Kontrollen, Richtlinien und Nachweise bereits zu C5:2026 passen. Das muss nicht direkt eine vollständige Prüfung sein. Häufig reicht zunächst ein kompakter Readiness-Workshop oder eine Gap-Analyse.
2. Typ 1 oder Typ 2 sauber einordnen
Für Erstprüfungen kann ein Typ-1-Bericht ein sinnvoller Einstieg sein. Für bestehende Testate und wiederkehrende Prüfungen sollte frühzeitig geprüft werden, wie der nächste Typ-2-Zeitraum geplant werden kann.
Wichtig ist dabei: Ein Typ-2-Testat braucht belastbare Nachweise über einen Zeitraum. Diese Nachweise entstehen nicht erst am Ende der Prüfung, sondern im laufenden Betrieb.
3. Folgetestierung frühzeitig planen
Wer bereits ein C5-Testat hat, sollte die nächste Folgetestierung nicht einfach als Wiederholung der letzten Prüfung verstehen. C5:2026 verändert Anforderungen und Nachweislogik. Deshalb sollte rechtzeitig entschieden werden:
- Welche Anpassungen sind notwendig?
- Welche Nachweise müssen künftig laufend gesammelt werden?
- Welche Verantwortlichkeiten sind intern zu klären?
- Wie lässt sich der Prüfungsprozess effizienter strukturieren?
4. Prüfungsumfang und Systembeschreibung aktualisieren
Ein häufiger Engpass liegt nicht in einzelnen technischen Kontrollen, sondern in der Abgrenzung des Prüfungsgegenstands und der Qualität der Systembeschreibung. Gerade bei SaaS-Anbietern mit gewachsenen Systemlandschaften, Subdienstleistern oder mehreren Cloud-Komponenten sollte dieser Teil frühzeitig vorbereitet werden.
Unser pragmatischer Vorschlag für den Einstieg
Für Cloud- und SaaS-Anbieter empfehlen wir einen kompakten Einstieg in vier Schritten:
- Initialer Workshop
Gemeinsames Verständnis von Cloud-Dienst, Systemlandschaft, Zielsetzung und aktuellem Testatsstand.
- C5:2026-Gap-Analyse
Abgleich bestehender Kontrollen, Nachweise und Dokumentationen mit den neuen Anforderungen.
- Maßnahmen- und Prüfungsplanung
Klärung, welche Anpassungen vor einem Typ-1- oder Typ-2-Bericht erforderlich sind.
- Vorbereitung der Attestierung
Strukturierte Vorbereitung von Systembeschreibung, Nachweisen, Kontrollverantwortlichkeiten und Prüfungszeitraum.
Dieser Ansatz ist bewusst schlank. Ziel ist nicht, den Prozess unnötig komplex zu machen, sondern früh Klarheit zu schaffen: Was ist vorhanden, was fehlt, und wie kann das nächste Testat planbar vorbereitet werden?
Fazit: C5:2026 ist ein guter Anlass, das nächste Testat neu zu denken
C5:2026 bringt für Cloud- und SaaS-Anbieter zusätzliche Anforderungen und mehr Detailtiefe. Für Unternehmen mit bestehendem Testat ist das kein Grund zur Unsicherheit, aber ein klarer Anlass, die nächste Folgetestierung frühzeitig zu planen.
Besonders wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Typ 1 und Typ 2. Während Typ 1 den Aufbau der Kontrollen zu einem Stichtag betrachtet, steht bei Typ 2 die Wirksamkeit über einen Zeitraum im Mittelpunkt. Gerade deshalb sollten Nachweise, Verantwortlichkeiten und Kontrollprozesse rechtzeitig vorbereitet werden.
Wer früh startet, kann C5:2026 nicht nur als zusätzliche Anforderung verstehen, sondern als Möglichkeit, das eigene Kontrollsystem und den Prüfungsprozess effizienter aufzustellen.
Sie planen ein BSI-C5-Testat oder eine Folgetestierung?
GDC Digital unterstützt Cloud- und SaaS-Anbieter bei der strukturierten Vorbereitung auf BSI-C5-Testate: Von der ersten Einordnung über die Gap-Analyse bis zur Vorbereitung von Typ-1- und Typ-2-Prüfungen.